Goldschale von Altstetten

Über Namen und Ortsnamen

Namen verbinden die Menschen, wenn ich zum Beispiel erzähle, dass ich mit dem dünnen Dunkelhaarigen an dem Ort war, wo dem Fluss entlang hohe Häuser stehen, so werden mich die Leute verwundert anschauen. Wenn ich aber sage, ich war mit Heinz in Bern, wird sofort alles klar, vorausgesetzt natürlich, dass die Runde Heinz und Bern kennt…

Ob wir vom Finsteraarhorn oder dem Rhein sprechen, die Namen sind ein ganz zentraler Bereich unserer Alltagssprache, und sie sind mit dem Ort, den sie bezeichnen, sozusagen auf ewig verbunden.

Selten ist ein Ortsname leicht verständlich, wie etwa „Tannenwäldchen“, meist ist er alt und kommt aus einer andern Zeit, und vielleicht sogar aus einer andern Sprache.

Der Name eines Ortes verbindet uns immer mit seiner Geschichte, genauer gesagt mit der Zeit in der der Ort seinen Namen bekam. Die Ortsnamen wurden aber nicht in einer abstrakten grauen Vorzeit gegeben, sondern in einem bestimmten Zeitabschnitt, bei einem Ort normalerweise zur Gründungszeit, bei einem Berg oder Fluss ist das etwas schwieriger zu sagen.

Ob dann der Ort dann den „Gründungsnamen“ beibehält oder nicht, also die Frage der Namenskontinuität, ist in jedem Fall zu untersuchen, immer aber hat ein Name eine beharrende Qualität! Sogar wenn die Sprache der Bewohner eines Gebietes sich ändert, bleibt der Name ihrer Stadt und des Hügels daneben, sozusagen an ihnen kleben.

Bei einem Sprachwechsels der Bewohner, wird die Aussprache des nicht mehr verstandenen Ortsnamens der neuen Sprache angepasst, teils wird dazu sogar ein Suffix der neuen Sprache, hier also namentlich aus dem Deutschen, angehängt.

Es hat sich im Laufe meiner Forschungen gezeigt, dass ein Ortsname kaum je ein Phantasiename ist, kaum ein Berg heisst einfach „Pipapo“, fast immer hatte der Name bei seiner Vergabe einen Sinn.

Zwar kann etwa ein Stadtname von dem Gründer derselben her kommen, so etwa im Falle von Karlsruhe. Dies ist aber eine ganz seltene Ausnahme, meist wird bei Ortsnamen die Abstammung von einem Personennamen postuliert, wenn die Ortsnamenforscher schlicht nicht mehr weiter wissen, resp. die Deutung des Namens innerhalb der berücksichtigten Sprachen nicht wirklich möglich ist. So wird Beispielsweise der Ort Menziken auf einen sagenhaften Ritter „Menzo“ zurückgeführt, ohne irgendeinen historischen Hinweis, versteht sich.

Halten wir also fest, ein Ortsname hatte bei seiner Vergabe meist einen Sinn, und er stammt aus der heute oder früher in dem Gebiet gesprochenen Sprache.

Wir müssen also nur wissen, welche Sprachen in einem bestimmten Gebiet gesprochen wurden, und den Ortsnamen auf eine derselben zurückführen und deuten. Dabei müssen wir im Auge behalten, dass beispielsweise das im frühen Mittelalter gesprochene Althochdeutsch, sich doch erheblich von unserem heutigen Deutsch unterscheidet.

Die Anzahl Sprachen, die in einem Land wie der Schweiz gesprochen wurden, ist zum Glück relativ klein, schliesslich wechselt die in einem Gebiet gesprochene Sprache nicht grad alle Tage. Ausserdem stammen die wichtigen Ortsnamen aus dem Mittelalter oder der Zeit davor, lediglich Flurnamen sind im allgemeinen jünger.

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