Book of kells

Welche Sprachen wurden bei uns früher gesprochen? Teil I

Dies ist die Frage nach der Sprachgeschichte.
Die Sprachgeschichte verläuft je nach Land, ja, je nach Gebiet unterschiedlich.

Aber festzuhalten ist, dass in weiten Teilen Europas die erste greifbare, benennbare und bekannte Sprache das Keltische ist. Das Keltische taucht mit den Kelten untrennbar verbunden um 800 v. Chr. auf. Sicher wurde schon vorher eine Sprache gesprochen, aber über sie können wir bloss vage Vermutungen anstellen, etwa dass sie wohl eine indogermanische Sprache war.

Wenn man die Leute auf der Strasse fragte, welche Sprache wurde vor dem Deutschen gesprochen, würde kaum einer die richtige Antwort geben. Aber auch unter Wissenschaftern und in der Toponomastik selber, wird dieser Tatsache viel zu wenig Rechnung getragen.

Hauptphasen der Sprachgeschichte

Die Sprachgeschichte für die Schweiz kann in folgende Hauptphasen eingeteilt werden, die Zeitangaben sind als ungefähr anzusehen.

Geschichtsphase (Sprachphase)dauerte bis umSprache
Präkeltische Zeit800 v. Chr.???
Rein Keltische Zeit, entspricht der Eisenzeitum 0 Keltisch
Galloromanische Phase, Kelten unter um 400Keltisch, Lateinisch oder "Galloromanisch"?
Spätantike1)früher eher Völkerwanderungszeit genannt, heute häufig dem Frühmittelalter zugeordnet.um 700Keltisch oder Germanisch oder Vulgärlatein?
Frühmittelalter1050Althochdeutsch, Keltisch?
Hochmittelalter1350Mittelhochdeutsch

Die Gretchenfrage ist, wie lange nach der Eroberung durch Cäsar noch keltisch gesprochen? Es ist erstaunlich, wie wenig diese Frage die Wissenschaft beschäftigt. Als eher skuril würde ich die Auffassung bezeichnen, nach der praktisch sofort nach der Eroberung durch die Römer nur noch Latein oder eine lateinisch-keltische Mischsprache gesprochen wurde, das sogenannte „Galloromanisch“.2)Die Entwicklung einer Mischsprache, einer sogenannten Kreolensprache, ist ein äusserst seltenes Phänomen, welches vor allem in Zusammenhang mit dem Sklavenhandel, etwa in der Karibik auftrat.

Wir dürfen die Tatsache, dass sich die keltische Kultur mit der römischen Kultur zur Gallorömischen entwickelte, niemals mit der Sprache gleichsetzen!

Die Geschwindigkeit, mit der überhaupt römische Kulturelemente von den einheimischen Stämmen übernommen wurde, wird generell überschätzt. Gerade die Helvetier, der Hauptstamm auf dem Gebiet der heutigen Schweiz, waren nicht Untertanen der Römer, sondern Konföderierte. Das heisst, es wurde ihnen ein gewisses Mass an Selbständigkeit weiterhin zugestanden. Das Kurzzeichen der Schweiz ist ja bekanntlich CH, was von Confoederatio Helveticae kommt.

In Zusammenhang mit der Ortsnamenforschung ist wichtig festzustellen, dass die keltischen Oppida, die Hochsiedlungen auf Berg- oder Hügelspitzen an Bedeutung verloren und wohl bald aufgegeben wurden. Man zog ins Tal zu den Verkehrswegen, es entwickelten sich Strassendörfer und Siedlungen entlang der eminent wichtigen Wasserstrassen.

So zog man in Zürich vom Oppidum Uetliberg auf der Uetliberghöhe, in die Gegend des Lindenhof-Kastells an der Limmat unten. Diese Entwicklung gab es bei allen Oppida oder kleinern Höhensiedlungen, es ist mit Sicherheit zum Beispiel auch in Winterthur oder Solothurn passiert.

Die keltische Sprache aber, hat unter der römischen Besatzung sicher weitergelebt! Zwar haben einige Leute Lateinisch gelernt, gerade unter den Adligen und Vornehmen, andere dienten in der römischen Armee in fernen Ländern, wo sie von den Offizieren Latein lernen konnten. Auch war das Lateinische, ähnlich wie heute das Englische Handels- und Verkehrssprache, was ohne Zweifel zu einem Anstieg der Zweisprachigkeit führte. Aber die einheimische Bevölkerung sprach bis zum Ende der römischen Besatzung mit Sicherheit keltisch3)Von den romanischen Sprachen, also etwa dem Französischen, konnte hier noch keine Rede sein, aber es entwickelte sich aus dem klassischen Latein das Vulgärlatein, aus dem sich später die romanischen Sprachen etwickelten.

Doch was geschah nach dem Abzug der Römer? Diese Frage beschäftigt uns im Teil II.

 

Anmerkungen   [ + ]

1. früher eher Völkerwanderungszeit genannt, heute häufig dem Frühmittelalter zugeordnet.
2. Die Entwicklung einer Mischsprache, einer sogenannten Kreolensprache, ist ein äusserst seltenes Phänomen, welches vor allem in Zusammenhang mit dem Sklavenhandel, etwa in der Karibik auftrat.
3. Von den romanischen Sprachen, also etwa dem Französischen, konnte hier noch keine Rede sein, aber es entwickelte sich aus dem klassischen Latein das Vulgärlatein, aus dem sich später die romanischen Sprachen etwickelten.
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